Reisetagebücher und Briefe

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Reisetagebücher und Briefe. Auf Reisen glaubt man leichter an Sonntag als an Sonnabend

»In vielerlei Hinsicht der erste moderne Dichter Deutschlands.«

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ISBN: 978-3-943999-204

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Literarische Kunststücke 1

»wie einer, der aus dem Mond gefallen ist.« (Friedrich Schiller)
»in vielerlei Hinsicht der erste moderne Dichter Deutschlands.« (aus: Dintenuniversum)
Mit einem Nachwort von Markus Bernauer

Rezension:
- Kaspar Renner: Jean Paul, Reisetagebücher und Briefe, in: Zeitschrift für Germanistik, N.F. XXIV, 2/2014, S. 402–404

Einleitung (Auszug):
Die späten Reisetagebücher, die sich in seinem Nachlass erhalten haben, geben für einige Wochen und Monate der Jahre 1817 bis 1820, sowie 1822 und 1823 einen Jean Paul von ›Tag zu Tag‹. Interessant sind insbesondere die Blätter aus Stuttgart, München und Dresden, weil sie eine literatur- und kulturgeschichtliche Momentaufnahme aus dem ersten Friedensdezennium seit 1789 geben; nebeneinander stehen hier erstrangige Figuren aus der Literatur- und Kunstwelt neben heute vergessenen Gelehrten. Aus diesen Tagebüchern und Briefen nach 1816 wird aber noch etwas anderes deutlich, nämlich wie sehr Jean Paul ein Star geworden (oder wieder geworden) war: Ein moderner Starkult um einen Künstler ist zu Anfang des 19. Jahrhunderts in Deutschland vielleicht nie intensiver zelebriert worden wie um diesen Dichter. Kreischende Mädchen mögen ihm erspart geblieben sein, aber die vielen Besucherinnen, die ihn um eine Locke anflehten, können nicht viel weniger hysterisch gewesen sein (die Locken musste dann übrigens meist sein Pudel opfern).

Schließlich zeigen diese späten Briefe und Tagebücher der Reisen einen anderen Autor Jean Paul als den, der er auf dem Höhepunkt seines Ruhmes um 1800 gewesen war; damals war die Wirklichkeit eine zu erschreibende gewesen und alles, was nicht Schrift war, unwirklich – so hatten es seine Leserinnen gesehen, die sich den Klotilden und Rosinetten seiner Bücher anzuverwandeln bemühten, so hatte es aber auch Jean Paul gesehen, dem noch jede Satire sich im Furor ihrer rhetorischen Bildketten und Flügelschläge auflöste. In den späteren Jahren aber, ausgelöst vermutlich ebenso durch die übermächtigen historischen Kriegskatastrophen wie durch die tägliche Realität des Familienlebens, denen er in der Rollwenzelei nur stundenweise entkommen konnte, gewann er offenkundig einen neuen Blick auf das Leben, der nicht nur rhetorisch bestimmt war. Das wird im komischen Roman »Der Komet« fassbar, schon in der etwas antiquierten Gattungsbezeichnung, die im 18. Jahrhundert einen realistischen Anteil im Buch ankündigte und auch von Jean Paul für einen Desillusionierungsroman in der Tradition des »Don Quijote« aufgenommen wurde. Vielleicht ist »Der Komet« auch als Selbstsatire gegenüber dem allzu ichhaltigen, allzu sehr in seine ätherischen Sprachschlösser verliebten jüngeren Autor zu lesen (der ja als Kandidat Richter Teil der kleinen Reisegruppe ist). Die Reisetagebücher jedenfalls und die Reiseerzählbriefe sind ein wesentlicher Teil jenes welthaltigeren Spätstils, der in »Der Komet« gipfelt; ohne sie bleibt das Bild des alten Dichters lückenhaft.

Format: Feines Leinen mit Fadenheftung

Typ: Buch

Seiten: 224

Erscheinungsdatum: 2013

Sprache: Deutsch

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